Steinschloss-Reiterpistole mit geschnitztem Schaft und Maskaron-Kolbenkappe, wohl Mitte 18. Jh.
Europäische Steinschloss-Reiterpistole. Der lange Lauf am Ansatz achtkantig und mit feiner Rankengravur, über einen Balusterabsatz in einen runden Lauf übergehend. Schlossblech mit spitz zulaufendem Schwanz, Schwanenhalshahn und Batterie mit Rankengravur; auf der Hahnschraube die eingeschlagene Zahl „37“. Der Vollschaft aus dunklem Holz, vor der Mündung endend, ist um Schloss und Schwanzschraube mit erhaben geschnitzter Leiste und im Griffbereich mit Rankendekor beschnitzt; gegenüber dem Schloss ein großes, durchbrochen gearbeitetes und ziseliertes Messing-Gegenblech sowie kleinere Messingauflagen, unter dem Lauf das Ladestockröhrchen aus Messing. Die gegossene Kolbenkappe aus Messing mit Maskaron, Muschel- und Rankendekor, der Abzugsbügel aus Messing. Altersgemäßer Zustand, die Metallteile narbig und fleckig, der Schaft mit einem Längsriss auf der Schlossseite, der Ladestock fehlt. L. 43 cm
Das Steinschloss verdrängte ab dem 17. Jh. das Luntenschloss und blieb bis in die 1840er Jahre die verbreitete Zündung. Bei der entwickelten Form schlägt der im Hahn eingespannte Feuerstein gegen den aufgestellten Feuerstahl, der zugleich als Pfannendeckel dient, und öffnet mit dem Funkenschlag die Pfanne. Reiterpistolen dieser Größe wurden paarweise in Halftern am Sattel geführt. Durchbrochen gearbeitete Gegenbleche, gegossene Kolbenkappen mit Maskaron und um das Schloss geschnitzte Schäfte gehören zur Ausstattung europäischer Pistolen des Rokoko, wie sie in Frankreich, Lüttich und den deutschen Ländern gefertigt wurden. Als Vorderlader mit Steinschloss nach einem Modell vor 1871 ist die Pistole nach deutschem Waffenrecht ab 18 Jahren erlaubnisfrei zu erwerben.