Waidpraxe Jagdmesser mit Eisengefäß, Hirschhorngriff und Kupfermarke mit Doppelkrone, 18./19. Jh.
Stahl, Eisen, Kupfer, Hirschhorn. Waidpraxe (Praxe) mit breiter, leicht gebauchter Rückenklinge mit spitz zulaufendem Ort. Eisernes Kreuzgefäß mit geraden, am Ende gespaltenen Parierarmen und rundem Stichblatt an der Klingenwurzel; im Mittelstück des Gefäßes ein eingelassenes rundes Kupferplättchen mit Doppelkrone, zwei übereinander eingeschlagene Kronen. Hirschhorngriff mit eiserner Griffkappe mit Kugelabschluss. Ohne Scheide. Klinge gereinigt, mit Rostnarben, das Eisen mit Alterspatina. L. 57 cm, Klingenlänge 43,5 cm, Klingenbreite ca. 5 cm.
Die Waidpraxe, kurz Praxe, ist das schwere Haumesser der höfischen Jagd, eine Sonderform der Hippe, und bildete seit dem 16. Jh. das Hauptstück des Waidbestecks, mit dem das erlegte Wild zerwirkt wurde: Die breite Klinge diente dem Zerteilen, die in der Scheide mitgeführten kleinen Messer, Gabel und Pfriem dem Aufbrechen. Kennzeichnend für die Gattung sind die schwere, einschneidige Klinge mit breitem Rücken, das eiserne Kreuzgefäß und der Griff aus Hirschhorn; Schmiedemarken in Kupfereinlage sind an sächsischen Waidpraxen des 17. Jh. überliefert. Aus Sachsen haben sich besonders viele solcher Jagdbestecke erhalten: Ein in Dresden gefertigtes Waidbesteck mit Wappen und Initialen des Kurfürsten Christian II. von 1609 bewahrt das Art Institute of Chicago, ein weiteres aus dem 18. Jh. die Waffensammlung der Familie von Pückler in Schloss Branitz. Im Waidwerk stand die Praxe neben dem Hirschfänger, der dem Abfangen des Wilds diente.