Militärhirschfänger mit Beingriff, Nietrosetten und Messing-Kreuzgefäß, Rückenklinge, 19. Jh.
Bein, Messing, Weißmetall, Stahl. Militärhirschfänger mit hellem Beingriff mit drei ovalen Nietrosetten aus Weißmetall, Griffring und Griffkappe aus Messing. Messing-Kreuzgefäß mit gerader, vierkantiger Parierstange und kleinem rundem Stichblatt an der Klingenwurzel. Schlanke, gerade Rückenklinge, im Ort zweischneidig zulaufend, auf der Klinge verrostete, schwer lesbare Stempel, wohl „P“, „H“ und „Z“. Ohne Scheide. Gefäß und Klinge wohl nicht zusammengehörig. Beingriff entlang der Nietrosetten mit gekittetem Riss, Klinge fleckig, Gefäß blank. L. 69 cm, Klingenlänge 54,5 cm.
Hirschfänger waren die Seitenwaffe der Jäger und Forstleute, und mit den Jägertruppen kam die Jagdwaffe ins Militär: Die ersten Jäger wurden 1631 in Hessen-Kassel aus Berufsjägern und Förstern aufgestellt, Preußen machte sie 1744 mit dem Korps der Jäger zu Fuß zum festen Bestandteil der Armee. Anders als die Linieninfanterie trugen die mit der gezogenen Büchse bewaffneten Jäger einen Hirschfänger als Seitenwehr, der nicht auf das Gewehr gesetzt wurde. Im 19. Jh. führten die Jäger- und Schützenbataillone der deutschen Staaten Militärhirschfänger als Ordonnanzwaffe, die Abnahme- und Truppenstempel erhielten und unter anderem von Solinger Firmen wie Alexander Coppel geliefert wurden; der zur preußischen Zündnadel-Jägerbüchse M/65 gehörende Hirschfänger war aufpflanzbar und wurde nach 1866 auch bei den sächsischen Jägerbataillonen eingeführt. Bei den Hirschfängern bildeten sich zwei Grundformen heraus, die deutsche Ausführung mit Griffbügel und die etwas kürzere französische ohne Bügel.