Studentischer Wappenkrug, Mathematischer Verein an der Anhaltischen Bauschule zu Zerbst, dat. 1906
Keramik, bemalt, Zinn. Bierkrug (0,5 L) des Mathematischen Vereins an der Anhaltischen Bauschule zu Zerbst mit profiliertem Zinndeckel. Auf der Wandung das polychrom bemalte, geviertelte Wappen in den Farben Violett-Weiß-Gold: Feld I mit gekreuzten Zirkeln und Winkelmaß auf goldenem Grund als Erkennungsmerkmal einer technischen Verbindung, Feld II mit zwei gekreuzten Korbschlägern auf silbernem Grund als Beleg für den pflichtschlagenden Charakter, Feld III mit Schrägbalken in der Couleur Violett-Weiß-Gold, Feld IV mit dem Stiftungsdatum „10. Januar 1906" auf goldenem Grund, das sich auf die Gründung des Mathematischen Vereins bezieht. Im Herzschild der Verbindungszirkel mit dominantem „M" für Mathematischer Verein und Ausrufezeichen als Zeichen des satisfaktionsgebenden Status. Bekrönt von Stechhelm mit Helmdecke und Helmzier aus drei Straußenfedern, umlaufende Banderole mit dem Wahlspruch „TREU, FEST UND WAHR". Oberhalb der handschriftliche Namenszug „WALTER KLINDER al. Schmiß", unterhalb „RUDOLF BERNICKE al. Knoten". Auf dem Boden die Pressmarke der Steinzeugmanufaktur Merkelbach & Wick, Grenzhausen, sowie der handschriftliche Malervermerk „gem. Ant Hille Hofl. Zerbst". Altersgemäß guter Zustand, eine kleine Glasurabsplitterung am oberen Rand direkt an der Füllstrich-Markierung (1/2 L). 15,7 x 9,5 cm (H x D).
360-Grad-Foto auf unserer Webseite. Die gekreuzten Zirkel und das Winkelmaß in Feld I des Wappens weisen den Krug einer technischen Verbindung zu. Das identische Vollwappen ist auch auf zeitgenössischen Drucksachen des Mathematischen Vereins nachweisbar und sichert die Zuordnung. Das Stiftungsdatum „10. Januar 1906" im Wappen bezieht sich auf die Gründung des Mathematischen Vereins, nicht der Bauschule selbst, die bereits 1887 als Privatanstalt des Architekten Robert Schmidt gegründet und ab 1900 von der Stadt Zerbst übernommen wurde. Nach Schließung der Bauschule am Ende des Zweiten Weltkriegs ist der Verein erloschen; die archivalische Überlieferung wurde durch die Bombardierung Zerbsts am 16. April 1945 weitgehend vernichtet, bei der das Stadtarchiv zu etwa 80 % zerstört wurde. Anton Hille (tätig ca. 1894–1941) war ein bekannter Porzellanmaler und Hoflieferant in Zerbst, der Rohlinge von Firmen wie Merkelbach & Wick bezog und individuell bemalte. Die gewidmeten Personen Walter Klinder und Rudolf Bernicke sind mit ihren Biernamen „Schmiß" (Kneipname, abgeleitet von der Mensurnarbe) und „Knoten" aufgeführt. Solche personalisierten Bierkrüge waren übliche Erinnerungsstücke an die gemeinsame aktive Studienzeit.