Studentischer Bierkrug der Landsmannschaft Cheruscia Berlin, Friedrich Unger, um 1920
Massiver studentischer Facettenkrug aus farblosem Glas mit Zinnmontur und fein bemaltem Porzellandeckel-Einsatz. Das zentrale Motiv des Deckels präsentiert das polychrome Vollwappen der Landsmannschaft Cheruscia zu Berlin. Der geviertelte Wappenschild zeigt heraldisch bedeutende Details: Im oberen linken Feld die Couleurfarben der Verbindung, im oberen rechten Feld den „Treue-Handschlag“ (Dextrarium iunctio), der aus Wolken ragt, auf himmelblauem Grund. Das untere linke Feld bildet das Hermannsdenkmal in Detmold auf grünem Grund ab. Im unteren rechten Feld finden sich zwei gekreuzte Korbschläger in einem Lorbeerkranz, begleitet vom Gründungsdatum „12. 1. 1859“. Das Wappen ist mittig belegt mit einem Herzschild, der den aufsteigenden Berliner Bären zeigt. Über dem Schild thront ein Stechhelm mit grün-silbernen und blau-silbernen Helmdecken, gekrönt von einer dreifarbigen Helmzier aus Straußenfedern in den Farben Grün-Weiß-Blau. Gerahmt wird die Darstellung von den Wahlsprüchen „Cheruscia sei’s Panier!“ oben und „Virtuti semper corona!“ (Der Tugend allzeit die Krone!) unten. Als Daumenrast dient ein plastisch ausgeformter Adler. Im Deckelinneren befindet sich die handschriftliche Namensnennung „Friedrich Unger“ mit dem Zirkel und den Chargenklammern „(xxx, xxx, x)“. Am unteren Rand ist die Malerei signiert mit „H. Zimmer, Berlin 24.“. Der Glaskorpus ist facettiert geschliffen und verfügt am oberen Rand über einen Eichstrich „0,4 l“. Der Zustand ist altersgemäß gut, am Glasboden befinden sich kleine Absplitterungen. 17,3x8 cm (HxD)
Die Landsmannschaft Cheruscia Berlin wurde am 12. Januar 1859 gegründet und führte die Farben Grün-Silber-Hellblau. Der Berliner Bär im Herzschild verweist eindeutig auf den Standort der Korporation, während das Hermannsdenkmal das sprechende Symbol für den Namen Cheruscia ist. Die Bezeichnung hinter dem Namen „(xxx, xxx, x)“ weist den Inhaber Friedrich Unger als hochrangigen Funktionär aus, der alle drei Chargen (Senior, Consenior und Schriftwart) bekleidete. Die Signatur „H. Zimmer, Berlin 24“ verweist auf eine Berliner Porzellanmalerei.